Florian: Bevor es losgeht, ein kurzer Hinweis. Es wird wieder eine Das Universum Live
Florian: for Publicum Podcast Aufzeichnung geben in Wien im Radiokulturhaus,
Florian: wie wir schon zweimal gemacht haben.
Florian: Das nächste Mal wird das Ganze am 21. September stattfinden um 19 Uhr im Radiokulturhaus in Wien.
Florian: Eintritt kostet 12 Euro und Karten dafür sind schon erhältlich.
Florian: Den Link gibt es in den Shownotes.
Florian: Und jetzt weiter mit der Folge.
Ruth: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Das Universum,
Ruth: dem Podcast, in dem Ruth und Florian über das Universum plaudern.
Ruth: Und auch heute wie immer mit Florian.
Florian: Und mit Ruth. Wir sind schon wieder im Sommer, weil immer noch Sommer ist.
Florian: Jetzt haben wir schon August, wenn ich mich nicht täusche.
Ruth: Ja, weiter geht's im Reigen unserer
Ruth: Sommerfolgen. Wir sind im August angekommen. Es ist der 11. August.
Ruth: Morgen ist Sonnenfinsternis. Ach, stimmt, genau.
Ruth: Ich bin schon so aufgeregt, obwohl es ja jetzt hier für uns noch Anfang Juli
Ruth: ist. Wir nehmen das alles ja gemeinsam am gleichen Tag auf.
Florian: Du sitzt irgendwo in der französischen Provinz und kommst mit dem Zug nicht
Florian: vorwärts, weil es für später gepasst.
Ruth: Sicher nicht. Ich miete mir ein Fahrrad oder ich stehle ein Fahrrad und radle
Ruth: nach Spanien von mir aus. Das ist mir wurscht.
Ruth: Ich glaube ja, dass es die Deutsche Bahn doch irgendwie schaffen wird,
Ruth: meine Reise zu verhindern.
Florian: Solltest du mit deinem Nachtzug in Ulm stranden, kannst du wenigstens dort über
Florian: Albert Einsteins Realitätstheorie kontemplieren, der, wie wir in der ersten
Florian: Sommerfolge besprochen haben,
Florian: dank einer Sonnenfinsternis bestätigt und prominent geworden ist.
Florian: Weil Albert Einstein ist in Ulm geboren, deswegen.
Ruth: Ja, na toll.
Ruth: Nicht so ein freudiger Trost. Ich hoffe, also wenn ich wirklich in Ulm stranden
Ruth: sollte, dann melde ich mich in der Telegram-Gruppe und ich hoffe,
Ruth: dass da irgendwie genug Leute aus Ulm auch da sind.
Ruth: Und dann kommen die mit ihren Autos und wir fahren alle gemeinsam in einer happy
Ruth: Fahrgemeinschaft nach Spanien.
Florian: Ja, kannst du auch probieren. Oder du gehst, glaube ich, ins Münster von Ulm.
Florian: Da ist auf einzelnen Kirchenfenster ist Einstein drauf, wenn ich mich richtig erinnere.
Ruth: Jetzt du und Einstein. Geht's doch.
Florian: Ja, dann betest zum Einstein und dann wird er dir schon helfen.
Ruth: Dann bete ich zum Einstein und dann wird alles gut. Und dann schickt er mich
Ruth: mit Lichtgeschwindigkeit nach Spanien.
Florian: Genau. Oder er krümmt den Raum, dass die Sonne über Ulm verfinstert wird.
Ruth: Einstein kann alles.
Florian: Genau.
Ruth: Ich habe mir gedacht, wir lassen diese Sonnenfinsternis einfach mal Sonnenfinsternis sein.
Ruth: Ich meine, sie ist jetzt, sie ist jetzt, sie ist jetzt. Aber ich habe mir gedacht,
Ruth: wir schauen uns einfach an, was denn sonst noch so im Sommer passiert und was
Ruth: vor allem, was vor allem denn unsere großen Weltraumteleskope in ihren Sommerferien treiben.
Florian: Wir sind alle Ferienlager.
Ruth: Alle gemeinsam.
Florian: Genau.
Ruth: Und sie sitzen beim Lagerfeuer und James Webb ist irgendwie so,
Ruth: es ist zu heiß, es ist zu heiß. aber hat irgendwie ein Schutzschild,
Ruth: die anderen mit ihren Flügeln links und rechts können nicht nah aneinander ran,
Ruth: weil sie sich die ganze Zeit irgendwie da in die Seite hinein pieksen.
Ruth: Nein, also natürlich ist weder für die Sommer noch haben sie Ferien. Das ist eh klar, ja.
Ruth: Es wird aber für ein ganz besonderes Teleskop, für ein ganz besonderes neues,
Ruth: frisches Weltraumteleskop der letzte Sommer auf der Erde sein.
Florian: Ui, ach, ach, ach, ach, ach, Rubin.
Ruth: Roman, Roman.
Florian: Roman, Roman.
Ruth: Ruby bleibt hoffentlich auf der Erde, wenn nichts Gröberes passiert,
Ruth: wenn es nicht von irgendeinem Asteroiden, der von dir geschickt wurde,
Ruth: in den Weltraum hinausgeschleudert wird, Nancy Grace Roman.
Ruth: Wird, wenn alles gut geht, am 30. August, also am letzten meteorologischen Sommertag,
Ruth: in den Weltraum geschickt.
Florian: Vorletzten. 31 Tage hat der August mal der Befahrt Geburtstag, das weiß ich.
Ruth: Ah, ich habe mich schon so gefreut. Ich habe mir gedacht, ha ha,
Ruth: letzter Sommertag. Am vorletzten Sommertag in den Weltraum geschickt.
Ruth: Ja, es ist, eigentlich ist es wurscht, aber es wird auf jeden Fall viel früher.
Ruth: Es ist voll zu früh dran. Das Ding ist voll zu früh dran. Das war ja ursprünglich
Ruth: erst für Mai 27 geplant, zu launchen. Das ist immer eine Erfolgsgeschichte, oder?
Ruth: Acht Monate zu früh dran. Und es wartet schon in Kennedy Space Center. Es ist schon dort.
Florian: Und wartet schon auf den Boarding-Area. Es ist schon am Gate.
Ruth: Es checkt sich noch ein Cola Zero aus dem Automaten. Es wartet auf seinen Launch
Ruth: und es ist auch schon tatsächlich die erste Runde, Cycle One des Beobachtungsprogramms
Ruth: entschieden. Es sind die Proposals schon entschieden. Ihr könnt euch das anschauen, wenn ihr wollt.
Ruth: Wir verlinken das Ergebnis der statistischen Zuordnung, zu welchem Thema was beobachtet wird.
Ruth: Das ist einfach ein bunter Mix aus allem, eh klar, aber hauptsächlich natürlich
Ruth: Galaxien. Es geht um aktive Galaxienkerne, es geht um Galaxienstrukturen,
Ruth: es geht um Zwerggalaxienstrukturen.
Ruth: Ein Proposal heißt A New Era for the Diffuse Universe.
Ruth: Das denke ich mir auch mal, weil das Universum ist im Moment gerade ziemlich diffus.
Ruth: Gemeint sind natürlich die diffusen Zwerggalaxien, die ultradiffusen Galaxien,
Ruth: von denen wir auch schon ein paar Mal gesprochen haben, die mit Nancy Grace
Ruth: Roman ganz besonders gut zu beobachten sind.
Ruth: Und jede Menge andere Dinge sind auch sehr gut zu beobachten.
Ruth: Es wird ein Extreme Deep Field geben, Roman Extreme Deep Field,
Ruth: wo man halt so tief und weit wie möglich hinaus ins Weltall schaut.
Ruth: Und es wird sich auch ganz besonders Rogue Planets widmen.
Ruth: Die sind ganz gut zu beobachten mit so einem großen Infrarot-Teleskop.
Ruth: Und die ist natürlich stark mit den Akronymen Rogue Worlds with Roman, heißt ein Proposal.
Florian: Rogue Worlds.
Ruth: Und dann gibt es noch Rbrr, nämlich Rogue Planets in Real Time.
Florian: Und Rogue Planets, muss man dazu sagen, sind Planeten, die nicht um einen Stern
Florian: greisen, sondern alleine durchs Weltall fliegen, weil sie in der dramatischen,
Florian: chaotischen Jugend-Entstehungszeit des Planetensystems rausgeschleudert worden sind.
Florian: Wenn sowas passiert, wenn Planetensysteme entstehen, ist nicht genug Platz für alle.
Florian: Ein paar fliegen raus und die fliegen dann durchs Universum.
Florian: Und keine Sorge, die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeiner von denen mal mit
Florian: der Erde kollidiert, ist so gering, dass wir sie getrost vernachlässigen können,
Florian: weil so viel Platz im Weltall ist.
Ruth: Ja, genau. Aber Rogue, vielleicht wollen sie ja auch. Rogue ist ja meistens
Ruth: absichtlich, selbst gewählt. Vielleicht denken sie sich, ich scheiß drauf.
Ruth: Ich bin raus hier.
Florian: Ja, auf Deutsch heißen sie es nicht so böse. Da sind es die vagabundierenden Planeten.
Ruth: Vagabundierenden. Ist ein sperriges Wort, oder? Rogue Planets ist schon besser.
Florian: Der wird, glaube ich, nicht mehr verwendet, aber man hat mal eine Zeit lang
Florian: Steppenwolf-Planeten gesagt.
Ruth: Na, aber das ist jetzt echt weit hergeholt.
Florian: Ja, darum hat man es wahrscheinlich auch nicht mehr verwendet.
Ruth: Und weißt du, was es noch gibt, was es noch geben wird? Ein Proposal Searching for Exocomets.
Florian: Ah, sehr schön. Ja, bin ich dafür.
Ruth: Auch geil, oder? Ja, wir wissen ja, dass Kometen auch aus anderen Sonnensystemen
Ruth: oder dass es in anderen Sonnensystemen auch,
Ruth: Kometen gibt. Einer davon hat uns ja erst kürzlich besucht und zwei andere davor.
Ruth: Also wir hatten ja schon ein paar von diesen Exokometen quasi in unserem eigenen
Ruth: Sonnensystem zu Gast. Wir wollen sie aber jetzt natürlich auch in ihren eigenen
Ruth: Sonnensystemen da irgendwie finden und untersuchen und so weiter.
Ruth: Fand ich auch sehr spannend. Außerdem das Wort Exokomet, Exokomet,
Ruth: habe ich so jetzt auch noch nie gehört vorher.
Florian: Haben wir da nicht schon mal drüber gesprochen? Über Exokomet?
Ruth: Also in der Nomenklatur des Exokometen habe ich das jetzt so noch nicht gehört.
Florian: Also ich weiß, dass ich da mal drüber gearbeitet habe noch in meiner Zeit als Wissenschaftler.
Ruth: Aber hast du das auch schon Exokomet genannt?
Florian: Ja, wieso was denn sonst denn? Wenn wir haben Exoplaneten, dann müssen die Kometen
Florian: anderer Sterne Exokometen sein. Und die Asteroiden sind Exoasteroiden. Also ist alles mit Exo.
Ruth: Ja, hast du recht. Ich will das hier nur ein bisschen aufregender machen, als es ist.
Florian: So gut.
Ruth: Okay, die ganze Liste, wir verlinken die Liste zu den Proposals,
Ruth: zu den Programmen, also schon zu den bewilligten Beobachtungsprogrammen,
Ruth: die Nancy Grace Roman beobachten wird im ersten Jahr seiner Tätigkeit.
Ruth: Könnt ihr euch das genauer anschauen, wenn euch das interessiert.
Ruth: Und natürlich auch James Webb, immer noch eh klar, stark am Plan und beobachtet
Ruth: mittlerweile Cycle 5, also in seinem fünften Beobachtungsjahr mittlerweile.
Ruth: Und ist auch jetzt gerade rausgekommen, was da beobachtet werden wird.
Ruth: Es gibt ein paar sehr interessante Sachen. Eins, das mich total gleich gecatcht
Ruth: hat, a definitive test of the Hubble tension.
Ruth: Ein definitiver Test der Hubble-Spannung, die wir ja auch schon oft da besprochen
Ruth: haben in diesem Podcast. Glaube ich ihn nicht. Glaubst du ihn nicht?
Ruth: Doch, weißt du warum? Weißt du, wie sie es machen?
Florian: Nein.
Ruth: Weißt du, über welche Methode, welche Independent Distance Leather Method sie
Ruth: da verwenden werden und die ist richtig cool.
Florian: Ja, dann zack.
Ruth: Das ist eine richtig gute Idee. Sie werden die Expansion des Universums,
Ruth: um die es da eher geht, um die beschleunigte Expansion des Universums und wie
Ruth: genau sich die verändert im Laufe der Zeit und so weiter und warum sie nicht
Ruth: so ist aus unseren Messungen des frühen Universums, wie wir es erwarten würden fürs lokale Universum.
Ruth: Sie messen das direkt von außen.
Ruth: An und schauen, wie es so im Laufe der Zeit passiert ist.
Ruth: Nein, sie messen es durch Gravitationslinsen und zwar über die Zeitverschiebung,
Ruth: über diesen Time Delay, der durch Gravitationslinsen entstehen kann.
Ruth: Wenn eine Galaxie im Hintergrund eines Galaxienhaufens durch die starke Masse,
Ruth: durch die große Masse des Galaxienhaufens abgelenkt wird wie eine Linse,
Ruth: dann entstehen, je nach Geometrie, aber wenn diese,
Ruth: Galaxie da genau irgendwie dahinter ist und die Geometrie passt,
Ruth: entstehen mehrere Bilder von dieser Galaxie.
Ruth: Dann geht das Licht einmal auf der einen Seite rundherum, wird abgelenkt,
Ruth: geht auf der anderen Seite rundherum, wird abgelenkt.
Ruth: Und wir blicken zurück entlang des Lichtpfades und sehen zwei links und rechts
Ruth: von dem Haufen gegenüberliegende Bilder.
Ruth: Aber jetzt ist natürlich die nicht genau dahinter, sondern ist ein bisschen
Ruth: verschoben, die Galaxie im Hintergrund. Und darum ist der eine Weg kürzer als der andere.
Ruth: Der eine Lichtweg kann kürzer sein als der andere.
Ruth: Und da kommt es zu einem Delay, da kommt es zu einer Verzögerung.
Ruth: Du siehst dann die gleichen Galaxien zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt.
Ruth: Und noch dazu kann man messen, wie das
Ruth: Licht auch gebremst wird durch das Gravitationspotenzial dieses Haufens.
Ruth: Der zerrt quasi am Licht und dann wird das Licht zusätzlich einfach auch noch
Ruth: dadurch gebremst. Und zwar nämlich unterschiedlich, je nachdem,
Ruth: wo das Licht da durchfliegt durch diese Linse.
Florian: Also gebremst wird es nicht. Das Licht ist weiterhin mit Lichtgeschwindigkeit
Florian: unterwegs, aber es kommt unterschiedlich schnell an.
Ruth: Es ist immer noch mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs, aber es kommt,
Ruth: wie du gesagt hast, früher oder später bei uns an und das können wir ziemlich.
Ruth: Gut berechnen, also nicht ganz natürlich, es ist eh klar, da kommt jede Menge,
Ruth: Geometrie der Linse, Verteilung der Masse in dem Haufen und so weiter.
Ruth: Da ist auch schon natürlich, ein bisschen eine Unsicherheit ist eh klar, ist immer da.
Ruth: Aber es ist auf jeden Fall eine Methode, die Hubble-Konstante oder den Hubble-Parameter,
Ruth: die Expansion des Universums,
Ruth: unabhängig von Supernovae, unabhängig von was auch immer die lokalen Methoden
Ruth: sind und unabhängig von unserem kosmologischen Modell zu bestimmen.
Florian: Okay, aber dann passt alles nicht zusammen mit allen anderen Sachen bis jetzt
Florian: und dann ist erst nicht gelöst.
Ruth: Das wäre super, wenn es genau in der Mitte wäre. Ja, und sie können eben dadurch, sie haben vor,
Ruth: elf Linsen zu beobachten plus Archivdaten von noch mehreren,
Ruth: einigen weiteren Linsen und dann haben sie dadurch durch die Kombination dieser
Ruth: Daten die Hubble-Konstante mit einem Fehler von ungefähr 1,5 Prozent,
Ruth: also einer Genauigkeit von 1,5 Prozent.
Ruth: Das heißt, das ist jetzt dann schon ungefähr so, wie die besseren Bestimmungen
Ruth: behaupten, dass sie es auch können.
Ruth: Aber es ist auf jeden Fall genau genug, um damit zu sagen, liegt es eher,
Ruth: auf der einen Seite oder liegt es eher auf der anderen Seite,
Ruth: so in die Richtung. Oder liegt es tatsächlich genau in der Mitte und es sind
Ruth: beide Methoden dann doch ungenauer, als sie es behaupten. Ja.
Ruth: Ich bin sehr gespannt drauf. Wir werden drüber reden, wenn es beobachtet wird,
Ruth: wenn alles gut geht. Gut, warum nicht? Schlechtes Wetter kann es ja da oben nicht geben.
Ruth: Wenn nicht, ein Asteroid, den du geschickt hast, ins James-Webb-Teleskop hinein rast.
Florian: Warum soll ich mal Asteroiden schicken? Ich meine, ich bin ja auch kein Zauberer.
Ruth: Wie auch immer, auf jeden Fall. Ein zweites Proposal, und das ist eigentlich
Ruth: das, über das ich eigentlich reden wollte, ist auch noch ziemlich interessant.
Ruth: Nämlich geht es den Red Dots, den Little Red Dots an den Kragen.
Ruth: In einem weiteren Proposal werden diese Little Red Dots bis zu einer Rotverschiebung
Ruth: hinaus von neun, also bis ins ganz frühe Universum hinaus, beobachtet, untersucht und,
Ruth: ihnen genau hoffentlich ihre Geheimnisse entzogen.
Ruth: Diese ominösen Little Red Dots, hast du von denen schon gehört?
Florian: Ja, ich habe mal schon drüber gesprochen mit Holger, glaube ich.
Florian: Und zwar habe ich gesprochen über eine Arbeit, die im Juni erschienen ist, Juni 26.
Florian: Und da lautet die Überschrift in den Medienberichten darüber,
Florian: das Rätsel um die Little Red Dots dürfte gelöst sein. Also braucht man nichts
Florian: am Wachen mit James Webb.
Ruth: Ist schon erledigt. Warum haben Sie das dann bewilligt? Komisch.
Florian: Erklär mal, was es ist, die Little Red Dots.
Ruth: Wahrscheinlich genau die Studie, um die es jetzt auch geht. Worum geht es?
Ruth: Diese Little Red Dots, die hat man in James-Webb-Beobachtungen verwendet.
Ruth: In großen Zahlen gefunden, im ganz frühen Universum. Das ist so einfach,
Ruth: wie der Name sagt, Little Red Dots, kleine rote Punkte.
Ruth: Ihr wisst, die Namensgebung in der Astronomie ist meistens fragwürdig,
Ruth: at best. Und insofern, ja, gut, wir wissen nicht, was sie sind.
Ruth: Insofern gibt man dem Ding halt einfach mal einen Namen, so nach dem, wie es ausschaut.
Ruth: Die sind da in den Beobachtungen ab ein paar hundert Millionen Jahren nach dem Urknall.
Ruth: Also wirklich ganz am Anfang, wo die ersten Galaxien entstehen,
Ruth: bis nachdem die allerersten Galaxien entstehen, aber doch ziemlich am Anfang.
Ruth: Und dann, ungefähr eine oder spätestens zwei Milliarden Jahre später, sind sie weg.
Ruth: Dann sehen wir die nicht mehr. Was ist das?
Florian: Da war ein großer intergalaktischer Krieg und das sind so die Punkte von den,
Florian: Ziellesern. Wie heißt denn das aufgescheit?
Ruth: Ah, ja, ja, okay. Naja, es ist jetzt nicht viel blöder als die Erklärung oder
Ruth: den Namen, den die Medien diesem Phänomen dann gegeben haben. Black Hole Stars.
Florian: Ach ja, stimmt. Black Hole Stars, genau. Ich erinnere mich daran,
Florian: dass ich das mit Holger besprochen habe.
Ruth: Ist ein doofer Name. Okay, also was hat man zuerst gedacht, was sie sein könnten?
Ruth: Die haben alle oder viele davon haben diese breiten Emissionslinien,
Ruth: die typisch sind für supermassereiche schwarze Löcher oder beziehungsweise das
Ruth: Material, das da rundherum fliegt durch den Doppler-Effekt.
Ruth: Das Material kreist rundherum um so ein schwarzes Loch, wird angezogen,
Ruth: wird beschleunigt, fliegt auf der einen Seite von uns weg, auf der anderen Seite,
Ruth: zu uns her und dadurch entstehen so ganz breite typische Emissionslinien.
Ruth: Haben aber nicht alle dieser Red Dots diese breiten Emissionslinien, hat man sich gefragt.
Ruth: Sind es einfach schwere, riesige, fette Galaxien? Nein, geht nicht, weil das ist zu früh.
Ruth: Das geht nicht. Da kann sich nicht so viel Masse in so kurzer Zeit eingesammelt haben.
Ruth: Und das war dann immer die Geschichte James Webb, Broke Our Cosmology, bla bla bla.
Ruth: Man hat einfach eine andere Erklärung dafür vielleicht gefunden.
Ruth: Wie auch immer. Das mit dem könnten wachsende, super massereiche schwarze Löcher sein,
Ruth: Auch nicht so easy, weil die nämlich, lustigerweise, keine Röntgen- oder Radioemissionen zeigen.
Ruth: Und das ist auch komisch, weil wenn das ein schwarzes Loch ist,
Ruth: das super stark Material verschluckt, da muss irgendwas in, das wird so stark
Ruth: aufgeheizt, das Material, da muss irgendwas in Röntgen- oder Radiowellen rauskommen.
Ruth: Also irgendwie, das mit den schwarzen Löchern.
Ruth: Und dann kam die Idee, könnten es nicht einfach wachsende junge schwarze Löcher,
Ruth: in einer dichten Gashülle drinnen sein?
Florian: Ja, und könnten sie?
Ruth: Und das ist eben das, was Black Hole Stars meint,
Ruth: dass sie von einer Gashülle umgeben sind, die extrem dicht ist und so aufgeheizt
Ruth: ist, dass sie einfach ionisiert ist, dass das ein bisschen,
Ruth: wie ein Stern ist, der dieses schwarze Loch umgibt, im Sinne von,
Ruth: dass es heißes Gas ist, das dieses schwarze Loch umgibt.
Ruth: Aber in Wirklichkeit sind das einfach nur wachsende schwarze Löcher,
Ruth: die von einer Gashülle umgeben sind.
Ruth: Und diese Idee kam im Jänner 26 in einem Nature Paper. Haben sie das irgendwie,
Ruth: haben sie die Spektren modelliert und diese Idee quasi in den Raum gestellt.
Ruth: Ja, das würde passen, das könnte sein.
Ruth: Es wäre auch super, weil nämlich diese dichte Gashülle, dieser Gaskokon,
Ruth: in die diese schwarzen Löcher, die gerade da entstehen, eingehüllt sind,
Ruth: die blockieren die Röntgen- und Radiowellen.
Ruth: Die kommen da nicht durch, weil das Gas so dicht ist. Das heißt,
Ruth: das wäre eine gute Methode, um diese Red Dots zu erklären.
Ruth: Muss man halt nur jetzt auch noch schauen, ob das wirklich so ist.
Florian: Was heißt das, wenn es so ist?
Ruth: Naja, das ist das, was jetzt in diesem Paper, was eben im Juni rausgekommen ist, gemacht wurde.
Ruth: Was würde daraus folgen, wenn das so wäre, dass diese schwarzen Löcher quasi
Ruth: in den Zentren von Galaxien, beziehungsweise eigentlich noch vor den Galaxien,
Ruth: sich bilden, durch extremen,
Ruth: starke Aggression in einer extrem dichten Gashülle.
Ruth: Das wäre eine Möglichkeit, wie diese supermassereichen schwarzen Löcher,
Ruth: die wir in Galaxienkernen finden, schon auch im frühen Universum,
Ruth: wie die da entstanden sind, quasi noch bevor sich der Rest der Galaxie dann
Ruth: drumherum überhaupt gebildet hat.
Ruth: Und das ist genau das, was sie jetzt gelungen ist mit James-Webb-Beobachtungen,
Ruth: mit einem extrem lang belichteten Spektrum von einem so einem Little Red Dot da quasi nachzuweisen.
Florian: Der Bauch war ja nicht gravitationsgelinst auch noch.
Ruth: Genau, genau. Das ist eines von diesen Glimpse-Objekten. Glimpse,
Ruth: ein sehr gewolltes Akronym. Gravitational Lensing Infrared Multifilter Probe
Ruth: of the Epoch of Reionization and Survival of the Earliest Galaxies.
Florian: Ja, wenn du meinst.
Ruth: Da wollten sie wirklich Glimpse, to get a glimpse of something,
Ruth: einen schnellen Blick, wie auch immer.
Ruth: Auf jeden Fall haben sie dieses Ding 30 Stunden pur mitbeobachtet,
Ruth: 30 Stunden lang draufgehalten mit dem James Webb und durch die Vergrößerung
Ruth: der Gravitationslinse, die da auch noch dazwischen ist,
Ruth: wäre das ein Äquivalent von 80 Stunden Beobachtungen mit dem Instrument des James Webb.
Ruth: Das heißt, das ist schon echt viel. Und sie haben ein extrem gutes Spektrum rausgekriegt.
Ruth: Jedes Mal, wenn ich diese Daten von James Webb sehe, denke ich mir,
Ruth: das gibt es, das gibt es nicht. Das ist ein Spektrum, das sieht aus wie ein
Ruth: Spektrum von einer Galaxie im lokalen Universum. Also das ist überhaupt nicht
Ruth: verrauscht, das ist total klar, du siehst die Linien total klar.
Ruth: Was sie gemessen haben, ist, die Emissionslinien, die eben von dem Material,
Ruth: das da quasi um das schwarze Loch rumwirbelt, kommen.
Ruth: Die sind nämlich ein bisschen breiter, als sie sein sollten,
Ruth: nur durch die Bewegung des Materials.
Ruth: Und genau dieser Unterschied ist das, was das extrem dichte ionisierte Gas macht,
Ruth: dass diese durch die Elektronenstreuung in dem Gas verbreitet,
Ruth: dass die Linien noch zusätzlich.
Ruth: Was Sie auch gefunden haben in dem Spektrum ist Heliumemission.
Ruth: Und Heliumemission geht nur, wenn extrem dichtes Gas da ist.
Ruth: Was sie noch gefunden haben, ist Sauerstoff und vor allem ganz viele Eisen-Emissionslinien.
Ruth: Wie geht das? Extrem viel Energie und extrem dichtes Gas muss da sein.
Ruth: Alles in diesem Spektrum schreit extrem dichtes, heißes Gas um ein extrem kompaktes Ding rundherum.
Ruth: Es ist eigentlich kaum mehr anders jetzt zu erklären, dass diese Dinge,
Ruth: also gut, es ist nur eins, Das
Ruth: ist ein Little Red Dot, der da beobachtet wurde, aber dass das zumindest
Ruth: wirklich alles darauf hindeutet, dass das ein in Entstehung befindliches,
Ruth: supermassereiches schwarzes Loch mit einem extrem dichten, heißen Gas-Kokon drumherum ist.
Ruth: Man kann es sich fast ein bisschen so vorstellen wie ein entstehender Stern.
Ruth: Nur dass das schwarze Loch eben nicht von einem wie ein entstehender Stern kalten
Ruth: Gas- und Staubding umgeben ist, sondern einem heißen
Ruth: Gas, einer heißen Gashülle umgeben ist, die das schwarze Loch noch zusätzlich,
Ruth: schnell füttert.
Ruth: Das heißt, das Ding wächst gerade heran und es wächst, bevor noch die meisten
Ruth: Sterne in der Galaxie entstanden sind.
Ruth: Das heißt, es ist wirklich diese alte Frage mit Hände und Ei,
Ruth: was war zuerst da? Die Galaxien und dann ist das supermassereiche schwarze Loch
Ruth: entstanden oder andersrum oder gleichzeitig.
Ruth: Anscheinend wirklich so, dass die supermassereichen schwarzen Löcher quasi der
Ruth: Keim sind, um die herum sich dann erst die Galaxien entstanden.
Ruth: Und die Art und Weise, wie sich diese supermassereichen schwarzen Lochkeime
Ruth: da bilden, ist in ihren heißen Gashühlen drinnen, in diesen blöd genannten Black Hole Stars.
Florian: Dann habe ich jetzt noch zwei Fragen. Die erste Frage ist, das hat jetzt quasi
Florian: die angebliche Krise der Kosmologie gelöst, die wir hatten, die du vorhin angesprochen
Florian: hast. Das Universum kann doch gar nicht so, so früh im Universum kann es solche
Florian: Dinge gar nicht geben und so weiter. Also es ist ja alles okay.
Florian: Also wenn das so ist mit diesen Black Hole Stars, dann haben wir jetzt kein
Florian: Problem mehr in der Kosmologie.
Ruth: Nein, genau. Aber da gab es jetzt schon ein paar andere Hinweise darauf,
Ruth: dass die Galaxien nicht wirklich so massereich sind und dass da andere Mechanismen hineinspielen.
Ruth: Also ich glaube, dass diese Krise der Kosmologie, die Galaxien sind zu groß,
Ruth: zu früh, das haben wir jetzt schon von mehreren Seiten her irgendwie doch recht
Ruth: gut gelöst. Das ist jetzt nicht mehr das Ding.
Florian: Gut. Dann zweite Frage. Wo sind die hin? Warum sind die weg?
Ruth: Weil du hast gesagt.
Florian: Die waren da, dann war das weg. Wo sind sie hin?
Ruth: Wohin gehen sie Mittagessen, ist die Frage. Das ist genau die Frage,
Ruth: die nämlich auch in einem Nancy Grace Roman Proposal, das bewilligt wurde,
Ruth: beantwortet werden wird.
Ruth: Where do the little rats go at cosmic noon?
Florian: Also wissen wir nicht.
Ruth: Okay, gut. Wissen wir nicht. Das ist eben das, was wir noch nicht wissen.
Ruth: Na gut, sie werden sich vermutlich zu großen Galaxien weiterentwickeln, sagen wir mal so.
Ruth: Aber wie genau dieser Übergang passiert, was da genau passiert und warum die
Ruth: dann alle doch so plötzlich.
Ruth: At Cosmic Noon ist einfach diese Periode, wo die meisten Sterne im Universum
Ruth: auch entstanden sind, wo irgendwie quasi so die Action mehr oder weniger dann schön langsam,
Ruth: wieder zurückgeht.
Florian: Genau, das war ein bisschen vor unserer Zeit. Die Sonne war glaube ich so am
Florian: frühen Nachmittag dran oder so.
Ruth: Genau, da gab es die Sonne noch nicht bei Cosmic Noon natürlich.
Ruth: Die Sonne ist erst recht spät eigentlich entstanden.
Ruth: Wenn man die Lebenszeit des Universums hernimmt, dann wäre das quasi,
Ruth: also wenn das ein Tag wäre, die ganze Lebenszeit des Universums,
Ruth: dann wäre das ungefähr so zum Mittag.
Ruth: Es ist, wir wissen noch nicht, warum die dann plötzlich alle,
Ruth: also zuerst sind recht viele da und dann plötzlich ziemlich,
Ruth: doch gibt es anscheinend einen ziemlich guten, strikten Cut-Off da irgendwie,
Ruth: wo es die dann nicht mehr gibt.
Ruth: Und was sie dann machen, wo sie dann hingehen oder in was sie sich natürlich
Ruth: dann weiterentwickeln, ist die eigentliche Frage.
Ruth: Das wollen jetzt einige Proposals sogar, es gibt mehrere über diese Red Dots.
Ruth: Es gibt natürlich auch eine Alliterations-Proposal, Red Dots with Roman.
Ruth: Es gibt einige, es gibt glaube ich drei oder vier sogar, die jetzt gleich im,
Ruth: ersten Cycle bearbeitet werden.
Florian: War die Milchstraße auch mal ein Red Dot?
Ruth: Ich glaube nicht, nein. Obwohl, weiß ich nicht, die Milchstraße hat halt eher,
Ruth: als so nicht ganz große Galaxie begonnen.
Ruth: Also ich glaube schon, dass diese Red Dots eher dort sind, wo sehr viel Masse
Ruth: auf einmal dann schon von Anfang an da war, mehr oder weniger durch zufällige
Ruth: Verteilung und Verdichtung von Materie.
Ruth: Ich glaube die Milchstraße eher nicht.
Florian: Du musst ein Proposal schreiben.
Ruth: Schreiben wir ein Proposal. Ja, genau. Das muss man selber rausschicken.
Ruth: Also diese Red Dots sind schon außergewöhnliche Galaxien wahrscheinlich.
Ruth: Sind schon außergewöhnlich frühe, große Galaxien eigentlich.
Ruth: Und die Milchstraße ist doch eher so mehr so ein bisschen doch kontinuierlicher
Ruth: entstanden und hat sich ja dann auch im Laufe der Zeit noch einige kleinere Galaxien einverleibt.
Ruth: Aber es ist auf jeden Fall ein super hot topic, über das wir noch mehr berichten
Ruth: und mehr erfahren werden.
Ruth: Jetzt dann, vor allem wenn Nancy Grace Roman mit dem ersten Beobachtungscycle
Ruth: fertig ist und die entsprechenden Leute dann ihre Daten analysiert haben,
Ruth: dann kommt da sicher noch einiges dabei raus.
Florian: Dann bin ich gespannt, was die roten Punkte noch sein werden.
Florian: Vielleicht hat das Universum auch einfach Masern gehabt früher.
Florian: Oder es war bevölkert von gigantischen Katzen und es waren gigantische Alien
Florian: Laserpointer, die die gigantischen Katzen durch die Gegend gejagt haben,
Florian: durch das Universum. Es gibt viele Möglichkeiten, wir wissen es nicht.
Florian: Es ist alles gleich plausibel.
Ruth: Es ist Zeit, dass jetzt der Evi kommt und da irgendwie Vernunft in diese Diskussion bringt.
Florian: Ja, das wird sie auch gleich machen mit Folge 3 des Sommerrätsels.
Florian: Davor weisen wir noch wie immer darauf hin, dass ihr uns unterstützen könnt.
Florian: Wir bedanken uns für die Unterstützung, wenn der Sommer vorbei ist in den ersten
Florian: Herbstfolgen, weil wir alle vier Sommerfolgen am Beginn des Juli aufnehmen,
Florian: aber erst reagieren können, wenn sie ausgestrahlt werden.
Florian: Das heißt, ihr dürft uns gerne unterstützen per PayPal, per Steady, per Patreon.
Florian: Und wenn ihr das tut, dann freuen wir uns und wir bedanken uns,
Florian: wenn wir es dann wissen, nämlich im Herbst.
Florian: Ihr könnt auch weiterhin den Merch,
Florian: von Jörg kaufen. Ihr könnt immer noch das Angebot des Astronomie Verlags wahrnehmen
Florian: und euch sonnenfinsternes Brillen zulegen.
Florian: Nicht mehr für morgen, das wird zu knapp werden, aber für die Zukunft,
Florian: man kann auch so die Sonne beobachten, könnt ihr auch gerne machen.
Florian: Infos zu allem gibt es in den Shownotes.
Ruth: Ja, oder für die nächste Sonnenfinsternis, die in einem Jahr dann stattfindet. Genau.
Florian: Lieber vorsorgen als blöd Schauen danach. Also könnt ihr machen.
Ruth: Im wahrsten Sinne des Wortes.
Florian: Alle Infos gibt es in den Shownotes unter www.dasuniversum.at.
Florian: Unter www.dasuniversum.at könnt ihr uns Fragen stellen, die wir auch dann stellen.
Florian: Im Herbst wieder regelmäßig beantworten werden. Unter hello at das Universum.at
Florian: könnt ihr uns andere Dinge schicken.
Florian: Da könnt ihr auch dann die Auflösung, eure Antworten auf die Sommerrätselfragen
Florian: schicken. Denn Evi ist immer noch unterwegs. Evi ist wie jeden Sommer unterwegs
Florian: im Universum und schickt uns akustische Postkarten.
Florian: Dieses Mal ist sie unterwegs auf der Suche nach Sommerjobs. Sie hat schon zwei
Florian: Jobs hinter sich und beide sind nicht so toll gelaufen.
Florian: Jetzt kommt Nummer drei und für jede Folge suchen wir den Ort,
Florian: an dem Evi sich auffällt und den Film, auf dem das passiert, was Evi erzählt.
Florian: Also für jede Folge ein Ort, ein Film und wenn alle vier Folgen durch sind,
Florian: schickt uns alle eure vier Antworten.
Florian: An hello-at-das-universum.at. Ein Sendeschluss ist der 1. September und danach
Florian: werden wir schauen, wer was gewonnen hat.
Florian: Und jetzt spannen wir euch nicht mehr länger auf die Folter.
Florian: Wir verabschieden uns und überlassen Evi das Wort, damit sie uns erzählen kann,
Florian: wo sie sich rumtreibt. Letzte Folge des Sommers kommt in 14 Tagen und bis dahin
Florian: verabschieden wir uns und sagen Tschüss.
Ruth: Ciao, macht es gut.
Evi: Liebe Ruth, liebe Florian, mein neuer Job ist toll.
Evi: Ich bin froh, dass sich nach dem letzten Debakel so schnell eine neue Gelegenheit ergeben hat.
Evi: Tatsächlich habe ich durch meine Erfahrungen aus den letzten beiden Tätigkeiten
Evi: das aktuelle Jobangebot erhalten.
Evi: Der Chef hier meinte, genauso jemanden wie mich können sie hier in ihrer Bergbaustation gut gebrauchen.
Evi: Kurzerhand und auch sehr erleichtert von meinem letzten Aufenthaltsort so schnell
Evi: wegzukommen, bin ich mit dem nächsten Shuttle los.
Evi: Allerdings heißt es hier aber wieder die ganze Schicht über Raumanzüge tragen.
Evi: Im Gegensatz zu meinem ersten Job, bei dem nur der Techniker und ich auf der
Evi: Station waren, geht es hier zu wie auf einem Amesenhoffen. Überall Menschen.
Evi: Ein ständiges Kommen und Gehen. Die eine Schicht kommt, die nächste macht sich
Evi: bereit. Alles auf kleinstem Raum.
Evi: Unsere Unterkünfte gleichen Hamsterkäfigen. Privatsphäre gibt es hier keine.
Evi: In meiner spärlichen Freizeit gehe ich mit Kollegen zum Squash und anschließend
Evi: auf ein paar Getränke in die Bar, die immer gerammelt voll ist.
Evi: Aber trotz der widrigen Umstände konnte ich in Ruhe geregelt meine Arbeit machen.
Evi: Ich hatte eben erst wieder die Hoffnung gefunden, hier einfach meinen Job zu
Evi: machen, mein Gehalt plus Bonus zu kassieren und dann endlich Urlaub in Future World zu machen.
Evi: Als, ihr könnt es euch schon denken, ein schrecklicher Unfall genau in meiner Schicht passierte.
Evi: Einer meiner Kollegen wurde plötzlich psychotisch so überall spinnen,
Evi: obwohl wir draußen waren.
Evi: Er hat totale Panik bekommen und ist dann leider tödlich verunglückt.
Evi: Das war ein ziemlicher Schock für mich.
Evi: Aber meine Kollegen meinten, ich sollte mir keinen Kopf darüber machen.
Evi: So weit weg von der Erde und von zu Hause drehen manche durch.
Evi: Sowas passiert einfach.
Evi: Ich war etwas irritiert darüber, wie schnell man wieder zurück zur Tagesordnung ging.
Evi: Aber, auch das könnt ihr euch schon denken, was war erst der Anfang?
Evi: Kurze Zeit später hat ein anderer Selbstmord begangen.
Evi: Er ist einfach in den Lift gestiegen, ohne Anzug, einfach so,
Evi: hat alles verriegelt, ist runter zu den Minen gefahren.
Evi: Als unten die Lifthürn aufgingen, war das kein schöner Anblick für die Kollegen.
Evi: Zum Glück war ich nicht dabei, ich kannte ihn auch nicht. Meiner Meinung nach
Evi: sind diese Häufungen an Todesfällen etwas seltsam.
Evi: Auch wenn man hier meint, dass sowas einfach passiert.
Evi: Der neue Marshal sieht das ähnlich wie ich. Er ist ebenfalls erst seit zwei Wochen hier.
Evi: Wir sind zusammen angekommen und sehen die Dinge wohl noch aus frischer Perspektive.
Evi: Der Arme wurde übrigens gleich nach der Ankunft von seiner Frau verlassen.
Evi: Sie will wieder zurück zur Erde und hat kurzerhand den gemeinsamen Sohn geschnappt
Evi: und ist, während er in der Arbeit war, zurück zur Raumstation geflogen und wartet
Evi: dort auf den Rückflug zur Erde. Ich habe den Marshall beim Squash getroffen.
Evi: Wir haben dann auch eine Partie gespielt und sind irgendwie ins Gespräch gekommen.
Evi: Netter Mann. In jüngeren Jahren hätte er sicher einen guten James Bond abgegeben.
Evi: Auf jeden Fall hat er mich dann irgendwann ins Vertrauen gezogen,
Evi: dass er was Großem auf der Spur ist, einer Verschwörung im großen Stil.
Evi: Jetzt will er sich mit dem Boss anlegen.
Evi: Damit hat er sich keine Freunde gemacht. Alle ziehen den Kopf ein und er steht
Evi: ganz alleine da. Nicht mal seine eigenen Leute helfen ihm.
Evi: Ich wollte ihn ermutigen in dieser Ausweg- und aussichtslosen Situation und
Evi: habe ihn von meinem letzten Einsatz erzählt, als ich plötzlich gegen diese Zombies kämpfen musste.
Evi: Da war er auf einmal ganz begeistert und meinte, warum ich nicht gleich erzählt
Evi: habe, dass ich Erfahrung im Umgang mit Waffen habe.
Evi: Tja, und jetzt bin ich sowas wie sein Hilfssheriff.
Evi: Gemeinsam mit der krantigen Ärztin, die am Imposter-Syndrom leidet,
Evi: werden wir dieses System hier in ein paar Stunden, wenn der Shuttle landet,
Evi: aber sowas von auffliegen lassen.
Evi: Liebe Grüße, Ify.