Das Universum

DU032 - Exomond und Mini-Venus

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DU032 - Exomond und Mini-Venus

Wir machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Wir sind zurück aus dem Urlaub. Und haben wieder jede Menge Astronomie zu besprechen. Ist Ruth schon Astronautin? Schlägt der Asteroid Bennu auf der Erde ein? Hat man endlich einen Exomond entdeckt? Und wird der Stern L 98-59 von einer Wasserwelt umkreist? Antworten auf all diese Frage gibt es in der neuen Folge; genau so wie Fragen unserer Hörerinnen und Hörer zu blauem Mond, Sternschnuppenengpässen und die Chancen, die einem die Astronomie auf dem Arbeitsmarkt bietet. In “Neues von der Sternwarte” plaudern wir mit Evi über die Verheißungen des Semesteranfangs und Python-Programmierung. Hört es euch an!

Astronautinnen Update

Wir wissen immer noch nicht, ob Ruth Astronautin werden wird oder nicht. Denn die ESA hat so viele Bewerbungen erhalten, dass sie mit der Bearbeitung nicht rechtzeitig fertig wird. Aber spätestens im November sollten wir mehr wissen.

Einleitung 1: Der zukünftige Mond bei PDS70

Der Stern PDS70 ist jung, etwas kleiner als die Sonne und 365 Lichtjahre von uns entfernt. Dort gibt es einen Planeten und um diesen Planeten herum eine Scheibe aus Gas und Staub. Das hat man kürzlich an der Europäischen Südsternwarte entdeckt. Myriam Benisty und ihr Team hat eindeutig nachgewiesen, dass dort genau die Prozesse ablaufen, die am Ende zur Entstehung eines Mondes führen könnten (“A Circumplanetary Disk Around PDS70c”). Was cool wäre, denn wir haben bis jetzt noch keinen extrasolaren Mond entdeckt. Geben muss sie es aber - und technisch wären wir eigentlich in der Lage sie zu finden. Ob dieser PoProMo (“Potentieller Proto Mond” - und wir hoffen sehr, dass diese Abkürzung sich bald überall durchsetzt) als Entdeckung gezählt werden kann, ist allerdings zweifelhaft.

Florians ersten Artikel für Spektrum.de über Exomonde kann man immer noch lesen.

Einleitung 2: Wie gefährlich ist der Asteroid Bennu?

Der Asteroid Bennu hat eine schlechte Presse und wird gerne mal Armageddon-Asteroid genannt. Er ist aber ein ziemlich cooler Himmelskörper, vor allem weil er Besuch von der Raumsonde OSIRIS-REx bekommen hat. Er kommt auch immer wieder mal in der Nähe der Erde vorbei, eine Kollision ist aber unwahrscheinlich. Kürzlich konnte man die Bahn des Asteroid noch ein wenig genauer bestimmen als zuvor und in den Medien wurde behauptet, dass ein Einschlag nun “wahrscheinlicher als gedacht” ist. Was so aber nicht stimmt, wie Florian erklärt.

Astro-Geschichte: Die Mini-Venus und die Wasserwelt

Der Stern L98-59 ist ein nur 35 Lichtjahre von der Sonne entfernter roter Zwerg. Und man hat dort 2019 drei Planeten entdeckt. Die hat man sich nun ein wenig genauer angesehen, unter anderem um ihre Masse bestimmen zu können. Dabei hat man einen weiteren Planeten gefunden und sehr gute Hinweise auf die Existenz eines fünften Planeten. Das war aber noch nicht alles: Man konnte messen, dass der innerste Planet des Sterns nur 40 Prozent der Erdmasse hat; also gerade einmal halb so schwer ist, wie die Venus. Das macht den Planeten zum masseärmsten, den man bis jetzt messen konnte. Das ist eine coole Demonstration der derzeitigen Messgenauigkeit. Darüber hinaus konnte man auch feststellen, dass der dritte Planet im System (der ungefähr die doppelte Erdmasse hat), vermutlich zu 30 Prozent aus Wasser besteht. Wenn das stimmt, dann wäre er eine “Wasserwelt” mit Ozeanen, die hunderte Kilometer tief sind und in denen “heißes” Eis zu finden wäre. Und als wäre das alles noch nicht genug, könnte der potenzielle fünfte Planet auch noch lebensfreundliche Bedingungen haben. Ob das alles aber wirklich so ist, werden wir erst mit den großen Teleskopen der nächsten Generation erfahren.

Dauert aber nicht mehr lange! Und bis dahin kann man über die coolen Planeten bei der ESO nachlesen oder im Fachartikel von Olivier D. S. Demangeon und seinen KollegInnen (“Warm terrestrial planet with half the mass of Venus transiting a nearby star”).

Mehr Informationen zu den Themen der Geschichte

Das Bild des ersten braunen Zwerges, das Ruth mit dem Bild des ersten extrasolaren Planeten verwechselt hat, kann man hier ansehen.

Welcher Planet eines anderen Sterns das erste Mal direkt beobachtet werden konnte, ist heute noch umstritten. Der Jenaer Kandidat GQ Lupi b kann hier betrachtet werden.

Und ganz viel über die Erforschung der extrasolaren Planeten kann man in Florians Buch “Die Neuentdeckung des Himmels” lesen.

Der am weitesten entfernte, aber noch mit freiem Auge sichtbare Stern ist ebenfalls umstritten. Der Kandidat, der Florian nicht eingefallen ist, heißt “P Cygni” und warum sich Florian dafür entschieden hat, kann man hier nachlesen - sofern man nicht schasaugert ist!

Fragen an das Universum

Micha hat Probleme mit dem Mond: ”Ihr habt schon öfter euch über die verschiedenen Zuschreibungen zum Mond ausgelassen, aber eine zum Blauen Mond ist mir nicht gegenwärtig.” Also möchte er gerne, das wir das machen.

Tun wir gerne. Wir wissen aber auch nicht, warum der “Blaue Mond” blauer Mond heißt und soweit wir das sehen können, weiß das auch sonst niemand mit Sicherheit. Sorry Micha.

Susi hat eine enorm interessante Frage gestellt: ”Warum gibt es diese Sternschnuppenschauer mit dieser Regelmäßigkeit. Müssten die Schauer nicht irgendwann aufgebraucht sein?”

Jawohl - warum ist das so? Tatsächlich KÖNNEN Sternschnuppenschauer irgendwann aufgebracht werden. Sie sind ja nur der Staub, den Kometen hinterlassen und wenn die irgendwann aufgebraucht sind, ist auch der Schauer weg. Aber keine Sorge - es gibt genug Staub im Sonnensystem!

Ronja möchte gerne Astronomie in Wien studieren (Sag Bescheid, wenn du angekommen bist, Ronja!) und fragt sich, ob es für Astronom:innen ”deutlich schwieriger ist eine Stelle zu finden?” als für Physiker:innen.

Ruth und Florian finden, dass man auch mit einem Astronomiestudium gute Chancen hat, einen Job zu kriegen. Und weisen beide darauf hin, dass man sich bei der Studienwahl am besten nicht zu sehr daran orientiert, ob man einen Job kriegt oder nicht. Sondern daran, ob man das, was man studieren möchte, gerne und mit Begeisterung macht oder nicht. Zur weiteren Inspiration empfiehlt Ruth das Lied “Wir sind jung und wir machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt” von Peter Licht.

Neues von der Sternwarte

Das neue Semester fängt bald an und Evi muss sich überlegen, welche Vorlesungen sie belegen wird. Wie sie ihre Auswahl trifft bzw. treffen muss, unterscheidet sich ein klein wenig von de, wie Ruth und Florian ihre Lehrveranstaltungen gewählt haben. Dafür gibt es heute Vorlesungen, die es damals noch nicht gegeben hatte, aber definitiv geben hätte sollen! Zum Beispiel eine Einführung in das Programmieren. Dazu gibt es einen Aufruf an die Hörerschaft mit der Bitte um Hinweise auf Ressourcen zum leichteren Erlernen von Python. Ganz besonders cool ist die Lehrveranstaltung, bei der die Studierenden mit echten Daten echte Forschung durchführen können. Evi hofft, daran teilnehmen zu können und ob das klappt, wird sie demnächst berichten.

Veranstaltungen

Wir empfehlen den Besuch des “Universum” in Bremen. Das ist ein cooles Science Center, in dem gerade eine ebenso coole Ausstellung über Raumfahrt stattfindet. Außerdem kann das Universum (der Podcast) ja gar nicht anders, als das Universum (das Science Center) zu empfehlen.

Florian hat ein neues Buch geschrieben, gemeinsam mit Helmut Jungwirth. Es heißt “Eine Geschichte der Welt in 100 Mikroorganismen”, ist sehr hervorragend, überall zu kaufen wo man Bücher kaufen kann, weswegen es natürlich auch von allen gekauft werden sollte. Wer mehr über den Inhalt wissen will, kann diese Folge WRINT Wissenschaft anhören.

Florian wird am 3. September 2021 in Nantesbuch über den Sternenhimmel plaudern. Am 4. September 2021 wird er bei einer Show der Science Busters (“Global Warming Party”) in Wien zu sehen sein (Tickets dafür gibt es hier). Ebenso am 9. September 2021 in Melk (Tickets). Ganz besonders cool wird die Show “80 Jahre Heinz Oberhummer” am 10. September 2021 im “Theater im Park” in Wien (Tickets). Am 14. September 2021 wird er gemeinsam mit Helmut Jungwirth sein neues Buch “Eine kurze Geschichte der Welt in 100 Mikroorganismen” in Wien vorstellen (Infos). Und am 19. September 2021 werden die Science Busters endlich wieder mal nach München kommen (Tickets dafür gibt es hier)

Bei Ruth wird es vielleicht ein paar Planetariumshows geben, also behaltet ihre Homepage im Auge!

Telegram

Das Universum gibt es auch bei Telegram. Dort könnt ihr mit anderen Hörerinnen und Hörern plaudern; auch Ruth und Florian sind da, um eure Fragen zu beantworten. Ihr könnt uns dort auch Audio-Kommentare für den Podcast zukommen lassen.

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Kontaktiert und trefft uns hier

Wenn ihr Fragen zum Universum hat, dann schickt sie einfach per Mail an: fragen@dasuniversum.at. Wer uns einfach nur was schreiben will, tut das unter hello@dasuniversum.at.

Falls ihr Ruth mit ihrem mobilen Planetarium buchen möchtet, schreibt an hello@publicspace.at oder schaut auf ihre Homepage: http://publicspace.at

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast zu hören.

Florian und Ruth findet ihr beide auch regelmäßig im WRINT Wissenschaft”-Podcast den es ebenfalls bei Spotify gibt

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Kommentare

Astroahnungsloser
by Astroahnungsloser on
Hey, ich schicke diesen Kommentar meiner Frage hinterher, ob vielleicht das Universum nach innen skaliert und sich gar nicht ausdehnt, ein Spektrum-Artikel hinterher, der diesen Punkt streift. Nämlich im Absatz 'schrumpfe Atome' wird dargelegt, dass u. U. Masseveränderungen der Atome über die Zeit im Prinzip den Eindruck vermitteln könnten, das Universum dehne sich vermeintlich aus. Hier der Link: https://www.spektrum.de/news/was-wir-ueber-den-urknall-wissen/1431727 Der Text ist von 2016. Ok, LG
George Jetson
by George Jetson on
Was Python angeht kann ich "Automate the boring stuff" von Al Sweigart empfehlen. Gibts hier "https://automatetheboringstuff.com/2e/" als free to read online, oder eben die Printausgabe (unbedingt 2nd Edition) für 35€.
Astroahnungsloser
by Astroahnungsloser on
Eine Frage, szs. aus der Rubrik: keinen Schimmer von Astrowissenschaft. Könnte es sein, dass sich das Universum gar nicht ausdehnt sondern nach innen skaliert, also dass quasi materielle Dinge darin kleiner werden und die szs. Pixel-Auflösung immer größer, was es nur so erscheinen lässt, als dehne sich das Universum aus? Und in "Wahrheit" lacht sich das Alien-Kind bei Vorstellung scheckig, wie Wesen in seiner Universum-Murmel meinen, sie würden in einem sich ausdehnenden Universum befinden.
Mathias Panzenböck
by Mathias Panzenböck on
Das mit Assembler hat mich ein wenig gewundert. Das wäre ca. die letzt Programmiersprache die ich Wissenschaftler*innen empfehlen würde (viele nenne Assembler gar keine Programmiersprache sondern geben dem eine eigene Kategorie). Was ich so höre ist für Wissenschaftler*innen Python relevant, weil es dafür viele wissenschaftliche libraries gibt. (D.h. Pakete mit vorgefertigten Funktionen und Datenstrukturen.) Python ist recht einfach zu verwenden und trotzdem viel sauberer als andere vergleichbare Sprachen (z.B. Perl), aber es ist sehr langsam (u.A. weil es eine dynamisch typisierte Sprache ist, wie Perl, PHP, Ruby, JavaScript). Deswegen verwenden das Wissenschaftler*innen oft nur zum explorativen Programmieren, und wenn sie dann was haben das in der Tat in production immer wieder was berechnen soll schreiben sie es oft neu in C++. Gibt jetzt eine neue Sprache "Julia", die versucht Pythons Einfachheit mit C++s Geschwindigkeit zu verbinden. Abseits davon wird man wohl für Statistik die Sprache R eventuell noch brauchen und eventuell Matlab. Aber ich glaub das ist dann schon alles, was für Wissenschaftler relevant ist. Assembler schreiben heutzutage hauptsächlich Compiler, Compilerbau ist auch das einzige Fach wo ich im Informatikstudium Assembler kennengelernt hab. Sonst kommt Assembler nur sehr selten vor in der Praxis. Ganz wenig in den untersten Layern von Betriebssystem und Treibern, bzw. eventuell in ultra-optimierten libraries zu mathematischen Berechnungen (die man als Wissenschaftler*in verwendet, aber nicht schreibt). Aber auch da immer weniger weil einen der C/C++ Compiler dafür intrinsics anbietet (Sachen die wie Funktionen aussehen, aber direkt von Compiler mit gewissen Assembler Anweisungen ersetzt werden).
Christian Berger
by Christian Berger on
In Österreich gab es in den 1990gern ja mal einen PC-Assemblerkurs im Teletext. Das mit der Programmiersprache ist ähnlich wie mit der "natürlichen Sprache" beim Bücher schreiben. Nein, man muss nicht besonders gut eine Sprache beherrschen wenn man ein Buch schreiben will, aber ohne eine Sprache zu können wird es halt schwer. Andererseits sind Programmiersprachen teilweise so unterschiedlich, dass es sinnvoll ist sich ein paar Extreme anzuschauen. Häufig gibt es Konzepte in einigen Sprachen die man aber auch in anderen Sprachen nützlich anwenden kann. Im Gegensatz zu natürlichen Sprachen wird nur selten zwischen Computersprachen übersetzt.

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Über diesen Podcast

Ruth und Florian reden über das Universum. Mit Fragen. Und Antworten.

Die Astronomin Ruth (Spezialgebiet Galaxien) und der Astronom Florian (Spezialgebiet Asteroiden) reden über das Universum. Ruth betreibt ein mobiles Planetarium; Florian erzählt auf Bühnen, in Büchern und in Podcasts über den Kosmos und beide plaudern gemeinsam über alles, was dort so abgeht. In jeder Folge erzählen sie einander eine spannende Geschichte aus der aktuellen Forschung. Und beantworten Fragen aus der Hörerschaft zu allem was man gerne über das Universum wissen möchte.

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von und mit Florian Freistetter, Ruth Grützbauch

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